Michel van Aerde o.p.
Provinzial der Dominikaner-Provinz Toulouse
Viele Seminaristen, Laien und Ordensleute in Ausbildung, aber
auch Priester, die bereits von ihrem Dienst beansprucht werden, sähen es gerne,
über die ihnen am Herzen liegenden Themen des Glaubens arbeiten oder weiterarbeiten
zu können mit einer Lehrvermittlungsweise, die gleich einem Fernkurs sie dort
beläßt, wo sie leben und arbeiten, und sie doch in ein Lernen einbindet, das
über bloßes Skriptenlernen hinaus in ein dialoghaftes Lernen einführt, wie es
dank dieser neuen Technik der Interaktion möglich werden könnte.
Viele Erdteile zeigen uns ein ähnliches, bedenkliches Bild der
Situation der Theologiestudenten, die sich an einigen Hauptplätzen renommierten
Studiums zusammengeführt sehen, wo sie ein Kreis von Lehrbeauftragten erwartet,
die doch selbst nur klein an Zahl sind, sich zu oft überlastet sehen und ebenfalls
darüber klagen, daß es ihnen an Anreiz zu Neuem und einer angemessenen Weiterbildung
fehlt mangels Stellvertretung. Obendrein, und das gleich wo man hinsieht, sind
die Bücherpreise ins Unerreichbare geklettert, jedenfalls solche, die sich wissenschaftlich
und damit für einen Studenten empfehlenswert nennen dürfen. Natürlich, und das
versteht sich für den Studenten von heute von selbst, wird er, wenn die eigenen
finanziellen Möglichkeiten es nicht erlauben, sich an die Universitäts- oder
Fakultätsbibliotheken wenden, um sich die notwendigen Lernmittel zu entlehnen.
Doch auch hier warten Mängel: zu klein bemessene Bibliotheksbudgets, die nicht
ausreichend Exemplare der wichtigsten, von den Professoren anempfohlenen oder
für die Prüfungen verlangten wissenschaftlichen Werke zur Verfügung stellen können.
In Europa, wenn man den geistlichen Stand betrachtet, kann man
trotz allem noch sagen, daß ihm ein relativ leichter Zugang zum theologischen
Studium vergönnt ist, sicherlich nicht zuletzt dank der vorhandenen institutionellen
Einrichtungen, die die notwendigen Finanzmittel aufbringen können, was für manche
nationale Kirchen mit so manchem Opfer verbunden ist. Bei alledem darf der Laie
nicht übersehen werden, der sich den gewissen Luxus eines privatfinanzierbaren
Studiums der Theologie oft nicht leisten kann, ausgenommen er gehört zu jenen
Laien, die eingebunden sind in die sogenannten ,,communautés nouvelles"
(neue Gemeinschaften charismatischen Stils mit ordensähnlicher Organisation)
oder die zu den Rentnern gehören, die sich eine solche Ausbildung im Alter mit
ihren Ersparnissen verwirklichen können.
So bleiben die Laien, die Ordensleute in einer klausurierten
Lebensform und der Klerus mit fehlenden Weiterbildungsstrukturen wie ausgeschlossen
von einer Erringung oder Vertiefung theologischen Wissens, außer sie wenden sich
der Methode der Fernkurse zu, die recht umständlich, wiederum kostenintensiv
und obendrein anonym bleiben, ohne die nach wie vor offene Frage der Bibliotheken
und Prüfungen mit einer dem jeweiligen Lebensstand angepaßten Lösung wirklich
zu beantworten.
Es darf also die Hoffnung ausgesprochen werden, daß eine Wissensvermittlung
über Internet eine angemessene Antwort auf diese Bedürfnisse geben kann.
Wir stehen hier vor einem ganz neuen Arbeitsinstrument im Bereich
der Massenmedien Gleichzeltig gilt es, für dieses Neue eine so altehrwürdige
Einrichtung wie den Predigerorden in all seinen familiären Verzweigungen (Schwestern,
Brüder und Laien) aufgeschlossen zu machen, wenn nicht sogar für ein konkretes
Engagement zu gewinnen. Diese eingegangene Wette ist sicher noch nicht gewonnen,
aber einige sichtbare Schritte in diese Richtung lassen bereits aufhorchen. Das
letzte Generalkapitel der Predigerbrüder, abgehalten zu Bologna im juli 1998,
widmet dieser Anfrage unserer Zeit eine ganze Seite in seinen Abschlugakten.
Das hierin ausgesprochene Vorhaben ist die Errichtung eines Netzes, das alle
dominikanischen Ausbilungseinrichtungen miteinander verknüpfen soll unter Berücksichtigung
der notwendigen Gleichstellung und gegenseltigen Anerkennung der Studienabschlüsse
in ihren akademisch-kanonischen Graden. In dieses Basisnetzwerk sollen dann in
einem weiteren Organisationsschritt auch verschiedenste nichtdominikanische Studieneinrichtungen
eingebunden werden, wie Seminare, Universitäten, Fakultäten anderer Ordensinstitutionen,
die sich für ein gemeinsames Vorgehen auf diesem Sektor interessieren lassen.
In den hierfür notwendigen Satzungen würden sie einen Mitarbeiterstatus erhalten,
ähnlich wie auch einzelne Professoren, die sich außerhalb ihrer universitären
Zugehörigkeit für eine solche Lehreinrichtung und Lehrtätigkeit gewinnen liegen.
Der dazu notwendige Internetanschluß ist bereits eingerichtet und funktioniert
zumindest schon für seinen technischen Teil. Dem Basisnetzwerk wurde der Name
DOMUNI gegeben, und es ist unter der Adresse www.domuni.org zu finden. Die Schaltzentrale
befindet sich im Konvent von Toulouse und ist über Lichtleitfaser an das franzbsische
Universitätsnetz RENATER angeschlossen. Diese Errichtung eines elektronisch-universitären
Netzwerkes ist natürlich schneller und einfacher als die sich daraus ergebenden
akademisch-administrativen Verhandlungen um eine Anerkennung der über Internet
erworbenen Studienabschlüsse. Die Generalkurie ist augenblicklich dabei, die
verschiedenen Studienzentren dominikanischer Prägung in einem Katalog zu erfassen,
was verständlicherweise eine zeltlich verschobene Verbindungsaufnahme zur Foloe
hat. Doch sel hier die Lehrtätigkeit der spanischen Ordensprovinz nicht vergessen,
wo bereits Unterrichtseinhelten über Internet angeboten werden. Dies darf als
Ansporn genommen werden für eine weltweite Nachahmung.
Die zu lehrenden Fachbereiche werden sicherlich die Philosophie,
die Theologie und die Geisteswissenschaften sein, Fächer - so hat es den Anschein
-, die zunehmend von Seiten der staatlichen Universitäten vernachlässigt werden,
weil sie einen " kostenlosen ", d.h. wirtschaftlich gesprochen
unproduktiven Eindruck vermitteln, aber vielleicht auch, weil ihre Studenten
als politische und soziale Unruhestifter angesehen werden.
Im Augenblick ist daran gedacht, unsere Kräfte auf den Studiengang
für ein kanonisches Diplom (" licence ") und Doktorat zu
konzentrieren. Die Erfahrungen der spanischen Dominikaner-Provinz mit Kursen
für die ersten akademischen Grade sind recht instruktiv, vor allem was ihren
Einflußbereich bei den Laien anbelangt, die als ziemlich interessiert einzustufen
sind. Aber es scheint uns dennoch ratsam, die darüber hinausgehenden Erwelterungsstudien
nicht zu übersehen, da auf diesem Ausbildungsniveau die Studenten schon eine
eigene, ausreichend strukturierte Arbeitsweise entwickelt haben, die Vorlesungsangebote
nicht mehr so zahlreich sind, wenn sie für die ärmeren Länder überhaupt vorhanden
sind. Man kann sagen, daß es wohl überall Orte gibt, die das Erreichen des kanonischen
Baccalaureats ermöglichen, doch schon viel seltener jene, die Studien für ein
kanonisches Diplom (" licence ") oder gar für ein Doktorat
anbieten.
Ziel dieses Ausbildungsprojektes ist nicht, bei Null anzufangen,
sondern schon Gediehenes verfügbar werden zu lassen, denn bereits in fast allen
Ländern der Welt sind Studienund Ausbildungszentren eingerichtet, nicht zuletzt
dominikanische Universitäten. Dies alles stellt ein soziales Kapital von unschätzbarem
Wert dar, eine oft Jahrhunderte alte Verwurzelung in den einzelnen Weltgegenden
und Kulturen. Es zu bewerkstelligen, daß jedermann - von welchem Telephongerät
des Planeten auch immer - sich dieses vielgesichtige Wissen aneignen kann, bedarf
keines Sprunges ins Abstrakte. Dabei geht es auch nicht um ein Feilbieten von
Theologie in Leichtkostform auf dern "virtuellen" Weltmarkt, sondern
eher darum, ein neues Pfingstereignis möglich zu machen, wo das jeweils ganz
Andere in unserer Weltwirklichkeit sich begegnen und in Dialog treten kann, ohne
daß diese Verschiedenheit aufgehoben oder unterdrückt wird.
Was ergibt sich nun daraus für das gewünschte Netzwerk zwischen
den Lehranstalten? Sie müssen danach streben, sich gegenseitig zu kennen und
kennenlernen zu wollen, und in wechselseitigem Vertrauen zusammenzuarbeiten.
Diese organisationsinterne Arbeitseinstellung wird im weiteren dern Austausch
zwischen Professoren und Studenten in den Ausbildungseinheiten und Seminaren,
aber auch der Vermittlung von Publikationen förderlich sein. Dank der durch jüngste
Richtlinien des Vatikan eingeleiteten Vereinheitlichung dürfte wohl den Vereinbarungen
über gegenseitige Anerkennung von Studienabschlüssen nicht allzu viel im Wege
stehen.
Mit Internet sind die Entfernungen aufgehoben und übersprungen.
Das elektronische Netz erlaubt es nunmehr, über den Erdball ein strukturelles
Netz zu spannen, dessen vielfache Knotenpunkte sich immer in geographischer Reichweite
der möglichen Studieninteressenten befinden. Diese Punkte, die jeweils einem
bestimmten Ort entsprechen, sind dann in der Lage, für sich genommen, die reiche
Vielfalt des Netzwerkes in seiner Gesamtheit wiederzugeben. Den Studenten wäre
es schließlich möglich, die Welt " aus Fleisch und Blut ",
d.h. ihre Studienorte mit ihren Vorlesungen und Tutoren, mit der Studienwelt
im Internet und seiner Vielfalt an Lehreinheiten, Anrechnungsmöglichkeiten und
Interessensgebieten zu kombinieren.
In der Dominikanischen Republik zum Beispiel bietet das Centre
Institutionnel dEtudes Théologiques (geleitet von Brüdern unseres Ordens)
den Auszubildenden aus den verschiedenen Ordenskongregationen der Insel ein kanonisches
Baccalaureat an, und dies dank einer Zugehörigkeit zur Studienorganisation der
Päpstlichen Universität St. Thomas PUST (Angelicum). Mit Hilfe von DOMUNI wird
es nicht nur möglich sein, ein einzelnes Diplom (" licence ")
anzubieten, sondern eine Vielzahl entsprechend der Vielfalt der angebotenen Lehrveranstaltungen.
Gleicherweise werden auch isolierte Lehreinheiten mit ihrer entsprechenden Stundenanrechnung
vorgeschlagen, die an DOMUNI mitarbeitende Professoren anzubieten bereit sind.
Nehmen wir auch hier ein vorstellbares Modell: der CEAM (Centre dÉtudes
Antonio de Montesinos) könnte eine Spezialisierung ganz elgener Prägung vorschlagen
in Form eines Studiums der Menschenrechte. War es doch auf eben dieser Insel
in der Stadt Santo Domingo, als Antonio de Montesinos OP im 16. jahrhundert gegen
die Versklavung der unterdrückten Indios seine berühmte Predigt hielt: " Sind
sie nicht auch alle Menschen? "
Auf Haïti, wo sich die dortige Ordenskonferenz müht, den CIFOR,
ein gemeinsames Ausbildungszentrum, auf die Beine zu stellen, würde DOMUNI eine
wertvolle Hilfe darstellen (natürlich nicht, bevor das insulare Telephonsystem
funktionstüchtig ist!).
Verglichen mit staatlichen Universitäten, hat das dominikanische
Internetprojekt einiges Positives für sich zu verbuchen. Sicher haben die Universitäten
längst die Notwendigkeit begriffen, auf dem " web " gemeinsarn
präsent zu sein, nicht zuletzt um auch von den Subventionen internationaler Forschungsprogramme
(Alpha oder Europäische Union) zu profitieren, und dementsprechend riesig sind
auch die aufgewendeten materiellen und finanziellen Mittel. Und doch sind unseren
Studienzentren andere Vorteile vorbehalten: Das bestehende Vertrauen, das aus
einer gemeinsamen Geschichte und geistigen Identität herrührt, eine Anrechenbarkeit
der Diplome, und zu guter letzt - von nicht zu unterschätzendem Wert - eine Art
von Selbstlosigkeit der Professoren, die mehr darauf bedacht sind, ihr Wissen
(mit) zu teilen, als Geld zu verdienen.
Was bleibt in dieser unserer Internetreflexion noch zu erörtern,
wenn nicht die unausweichliche Frage der Verwaltungsstruktur und der Machtverteilung?
Es ist nicht wünschenswert, sich einer einzigen, vielsprachigen
"Monsteruniversität" gegenüber zu sehen, die darüberhinaus eine nahezu
unleitbare und unverwaltbare Einheit darstellte. Die Kontaktadresse wird zu Beginn
eine einzige sein, doch sollten in der Folgezeit viele Teiladressen geschaffen
werden, die nach wie vor untereinander verbunden blieben, um einer Dezentralisierung
der Verwaltung den Weg zu bereiten. Die Buchhaltung wird sicherlich in die hauptsächlich
betroffenen Konten auseinanderdividiert werden: Lehrbetrieb, Verwaltung, Bibliothek,
Abschreibungen. Die Bibliothek wird vielgestaltig sein müssen, je nach Sprache
und geographischem Großraum (denn Lateinamerika wird schwer im gleichen Hafen
zu finden sein wie Spanien oder Portugal; auch Afrika dürfte wohl nicht aus der
gleichen Schublade versorgt werden wie Frankreich oder Kanada).
Die Provinz von Toulouse wurde durch das Generalkapitel von
Bologna 1998 ermutigt, hierin Wegbereiterin zu sein. Sie hatte die Idee entwickelt,
eine Universität auf das " web " zu bringen, obwohl sie zu
der Zeit ohne die dazu nötigen Lehrkräfte noch die technischen Mittel wirklich
nicht voraussehen konnte, wo dieses Abenteuer hinführen würde. Mittlerweile ist
es erlaubt, an die Verwirklichung und Erträglichkeit dieses Abenteuers zu glauben,
und mehr noch, daß dieser Abenteuergeist mit anderen dominikanischen Institutionen
geteilt werden kann, ohne dabei den Schwung der vereinten Kräfte zu verlieren.
Diese Mit-Teilung des Projektes versteht sich von selbst. Eine Zentralisierung,
wie bereits erklärt, entspricht nicht dem guten Funktionieren des Unternehmens.
Aber es sei hier noch angefügt, daß zentralistisches Denken auch der Ordensphilosophie
der Predigerbrüder zuwiderläuft, die sich doch in einzelnen Regionen und Provinzen
verwurzelt haben. Unser Leitungsstil - einer Organisation in Bundesstaaten vergleichbar
- fördert lokalen Unternehmensgeist, und von diesem wollen wir uns anregen lassen.
So geht der Vorschlag einer obersten Leitung von DOMUNI in Richtung eines "Präsidenten".
(Bessere Begriffe sind zu finden. "Rektor" entspricht nicht der Tatsache,
da ein solcher der Leitung einer einzelnen Universität vorsteht und nicht einem
ganzen universitären Verbund. Aus demselben Grund haben wir den Ausdruck " Universitätsrat "
verworfen und vorerst " Senat " bevorzugt.) Dieser wird einem
" Senat " vorstehen (analog zum Capitulum Generale Elective),
der wiederum die Rektoren und eine noch zu bestimmende Zahl an Delegierten in
sich vereinen wird. Die Delegierten werden von den Lehrkräften der verschiedenen
Fachbereiche mit Berücksichtigung der betroffenen Studentenzahl gestellt werden.
Auf diese Weise sehen wir, daß die Professoren nicht gezwungen
sind, ihren Lehrstandort zu verlassen, um am Internetprojekt teilzunehmen, und
dies wiederum hat den Vorteil, daß wir schlußendlich eine große Zahl von Lehrkräften
mobilisieren werden können. Nachteil bleibt sicher der geringe Zusammenhalt in
einem solchen Professorenkollegium. Aber bei alledem wird es immer einen festen
Kern von Professoren im nahen Umkreis geben, die eine vollständige Präsenz bei
Lehrversammlungen möglich machen. Ein weiterer Vorteil kann darin erkannt werden,
daß im Internet der Professor sein Wissen ausdrücken kann, ohne eine Vorahnung
des Umfeldes besitzen zu müssen. Denn diese Kenntnis kommt ja durch den Dialog
via "web". Übrigens sei hier nicht vergessen, daß der Professor anderen
persönlichen Aktivitäten weiterhin nachgehen kann und sogar zu neuen Forschungen
angeregt wird.
Dieser Überblick findet natürlich seinen Abschluß in der Frage
nach dem Geld. Wie sollen diese Lehrleistungen finanziell entgolten werden? Bis
jetzt wurde als Grundprinzip vorgeschlagen, nach der Zahl der Einschreibungen
vorzugehen und in Proportion dazu den Lehrenden zu entgelten. Bei großer Nachfrage
läge es auch im Ermessen des Professors, der DOMUNI-Leitung einen oder mehrere
Assistenten vorzuschlagen.
Internet wird wohl nichts am theologischen Lehrinhalt verändern:
es bleibt sehr anzuzweifeln, daß eine einfache Datenübertragungstechnik eine
vierte Person in Gott oder gar in der Trinität (!) entdecken könnte. Die eigentlichen
Veränderungen durch Internet werden sich im neuen Lehrer-Schüler-Verhältnis und
auf der institutionellen Seite der Lehrtätigkeit wiederspiegeln.
Gesellschaftlich gesehen, ist Internet ein interessantes Kommunikationsmittel,
das der " Peripherie " ermöglicht, ins " Zentrum "
vorzustoßen, oder, anders gesagt, dem Lernenden die Chance gibt, seinen Gesichtspunkt
darzulegen. Die Entfernungen spielen keine Rolle mehr. Von Cuzco aus kann man
sich an Fachdiskussionen beteiligen, die vordem nur ein Spiel der Bewohner der
Hauptstädte war. Einzige Voraussetzung ist ein Anschluß an das Telephonnetz,
um sich Zutritt zu den Quellen eines dann aber stetig fortschreitenden Wissens
zu verschaffen.
Das Internetprojekt des Dominikanerordens ist ehrgeizig, aber
realistisch, denn die Erstellung eines zusammenhängenden, homogenen Ausbildungsnetzes
ist nicht allzu schwer, wenn der Orden sich auf seine bereits vorhandenen Studienzentren
stützt. Somit kann er sein Lehrangebot vervielfältigen. Der Mangel an persönlicher
Gegenwart und Nähe im Kontakt kann aufgeholt werden durch die Anwesenheit von
Tutoren, die den direkten Dialog mit den Studenten führen und ihnen helfen, angesichts
dieses neuen Lehr- und Lernmediums ihren Rhythmus zu finden und ohne Mutlosigkeit
voranzuschreiten. Der Grad der " licence canonique " ist
sowohl an die gegenwärtigen Anforderungen im Bereich der Fernuniversität, wie
auch an die Möglichkeiten des Massenmediums Internet angepaßt. Schwierigkeiten
sind sehr wahrscheinlich auf dem institutionellen Sektor zu erwarten, der üblicherweise
an Schwerfälligkeit leidet, oder durch fehlende personelle Verfügbarkeit, oder
durch den Gewohnheitstrieb der Studenten, sich immer die leichteste Lösung zu
suchen, oder auch durch die Neigung mancher Verwaltungsinstanzen, die Kontrolle
über den Lehrauftrag behalten zu wollen.
Michel Van Aerde o.p.
Provinzial der Dominikaner-Provinz Toulouse
(1) M. Van Aerde OP, DOMUNI Theologische
Wissensvermittlung über Internet, in: Wort und Antwort, april-juni 1999,
pp 79-83.